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Blackout: Was ein tagelanger Stromausfall wirklich von einer Organisation verlangt.

Es ist 8:17 Uhr an einem ganz normalen Dienstagmorgen. In einem Unternehmen laufen die ersten Besprechungen, die Produktion ist angelaufen, in der Verwaltung werden E-Mails beantwortet und in der Haustechnik beginnt der Arbeitstag. Nichts deutet darauf hin, dass sich die Situation in den kommenden Stunden grundlegend verändern wird. Dann fällt der Strom aus.

Zunächst ist das kaum mehr als eine Unterbrechung. Die Beleuchtung geht aus, einige Bildschirme werden schwarz und für einen Moment ist es still. Nach wenigen Sekunden springt die Notbeleuchtung an. Ein Teil der technischen Systeme läuft weiter, andere werden automatisch heruntergefahren. Die meisten Mitarbeiter warten einfach darauf, dass der Strom wiederkommt.

Doch nach zehn Minuten ist der Strom noch immer weg. Nach einer halben Stunde beginnt die Situation unangenehm zu werden. Die Aufzüge funktionieren nicht mehr, die Telefonanlage ist nur noch eingeschränkt erreichbar und erste Mitarbeiter stellen fest, dass sie nicht auf zentrale IT-Systeme zugreifen können. Der Empfang kann Besucher nicht mehr wie gewohnt registrieren. Eine Tür mit elektronischer Zutrittskontrolle lässt sich nicht mehr öffnen.

Noch immer denkt kaum jemand an die Toilette.

Dabei kann genau sie einige Stunden später zu einem der ganz praktischen Probleme werden.

Ein sogenannter Blackout ist mehr als ein gewöhnlicher Stromausfall. Gemeint ist ein länger andauernder und großflächiger Ausfall der Stromversorgung, der nicht nur einzelne Gebäude betrifft, sondern gleichzeitig zahlreiche voneinander abhängige Systeme beeinträchtigen kann. Das Besondere daran ist weniger der Ausfall eines einzelnen technischen Geräts als die Tatsache, dass Strom heute die Grundlage für einen großen Teil unseres täglichen Lebens und nahezu aller modernen Organisationsabläufe bildet. Kommunikation, Informationstechnik, Verkehr, Wasserversorgung, Gebäudetechnik, Logistik und viele Produktionsprozesse benötigen elektrische Energie.

Infografik: Die Stromversorgung im Zentrum eines Abhängigkeitsnetzes mit zwölf Lebensbereichen – Kommunikation, Gesundheitswesen, Behörden & Sicherheit, Wasser & Abwasser, IT & Rechenzentren, Verkehr & Mobilität, Wirtschaft & Produktion, Gebäude & Infrastruktur, Finanzen & Versorgung, Lebensmittel & Kühlketten, Abfallentsorgung sowie private Haushalte – mit Hinweis auf Kaskadeneffekte bei einem Stromausfall
Strom als Nabe eines Netzes aus Abhängigkeiten: Fällt die Versorgung aus, können mehrere dieser Bereiche gleichzeitig ins Wanken geraten – der Ausfall eines Bereichs zieht häufig weitere nach sich. Eigene, KI-unterstützt erstellte Beispieldarstellung zur Veranschaulichung, keine reale Netzstruktur.

Und genau hier liegt eine der größten Herausforderungen in der Blackout-Vorsorge: Wir planen häufig für die Systeme, die wir als kritisch erkennen – und vergessen die Dinge, die im Alltag so selbstverständlich funktionieren, dass wir gar nicht mehr darüber nachdenken.

Eine Organisation denkt selbstverständlich an Server, Notstromaggregate, Telefonanlagen und vielleicht an die Tankversorgung. Viel seltener wird darüber gesprochen, was eigentlich passiert, wenn die Toiletten nicht mehr benutzt werden können.

Denn eine funktionierende Toilette hängt ebenfalls von Infrastruktur ab. Abwasser muss abgeführt werden. Pumpen und Hebeanlagen benötigen gegebenenfalls elektrische Energie. In größeren Gebäuden oder bestimmten technischen Anlagen kann die Abwasserentsorgung nicht einfach vorausgesetzt werden, wenn die Stromversorgung über längere Zeit ausfällt.

Das Problem beginnt nicht unbedingt nach einigen Minuten. Aber bei einem längeren Ausfall wird es sehr real.

Wenn mehrere hundert Menschen über Stunden oder Tage an einem Standort bleiben sollen, kann man nicht einfach davon ausgehen, dass die sanitären Anlagen unbegrenzt weiter genutzt werden können. Irgendwann stellt sich die sehr einfache, aber entscheidende Frage: Wo gehen die Menschen zur Toilette?

Plötzlich wird aus einer vermeintlich nebensächlichen Frage eine Frage der Betriebsfähigkeit.

Möglicherweise müssen Toiletten gesperrt und alternative Lösungen bereitgestellt werden. In bestimmten Szenarien können mobile oder einfache Trockentoiletten eine Option sein. Auch deren Beschaffung, Aufstellung, Hygiene, Entsorgung und Betreuung müssen allerdings vorher bedacht werden. Es reicht nicht, im Krisenplan zu vermerken: „Bei Ausfall der sanitären Einrichtungen werden Ersatztoiletten beschafft.“ Wenn gleichzeitig Lieferverkehr, Tankstellen und Kommunikationswege beeinträchtigt sind, ist die spontane Beschaffung möglicherweise gar nicht mehr möglich.

Genau solche Beispiele zeigen, warum eine gute Notfallplanung nicht nur auf die großen technischen Systeme schauen darf.

Was braucht unsere Organisation eigentlich jeden einzelnen Tag, damit der normale Betrieb funktioniert?

Wasser. Toiletten. Abfallentsorgung. Beleuchtung. Wärme oder Kühlung. Lebensmittel. Reinigung. Treibstoff. Medikamente oder Verbrauchsmaterial. Kommunikation. Zugang zum Gebäude.

Viele dieser Dinge erscheinen im Alltag überhaupt nicht als „kritische Infrastruktur“. Sie werden erst dann kritisch, wenn sie nicht mehr funktionieren.

Ein weiteres Beispiel ist die Wasserversorgung. Selbst wenn aus dem Wasserhahn zunächst noch Wasser kommt, bedeutet das nicht automatisch, dass die gesamte Wasserversorgung dauerhaft sichergestellt ist. Pumpen, Druckerhöhungsanlagen, Aufbereitung und weitere technische Systeme können von der Stromversorgung abhängig sein. Gleichzeitig kann sich die Qualität oder Verfügbarkeit der Versorgung verändern, wenn der Ausfall länger andauert.

Ähnlich verhält es sich mit der Abfallentsorgung. Im normalen Betrieb wird Müll regelmäßig abgeholt. Niemand muss sich Gedanken darüber machen, wo er gelagert wird. Fällt die reguläre Entsorgung aus und bleibt eine Organisation über mehrere Tage besetzt, wird auch daraus ein Problem. Besonders bei medizinischen Einrichtungen oder Produktionsbetrieben können Abfälle entstehen, die nicht einfach irgendwo zwischengelagert werden können.

Das sind keine spektakulären Szenarien.

Aber genau deshalb werden sie so häufig vergessen.

In der Krisenvorsorge gibt es dafür einen einfachen Test: Man sollte sich einmal vorstellen, dass nicht nur die großen Systeme ausfallen, sondern dass alle Selbstverständlichkeiten verschwinden.

Wie öffnen wir die Eingangstür?
Wie bekommen wir Wasser?
Wie nutzen wir Toiletten?
Wie entsorgen wir Abfälle?
Wie wärmen oder kühlen wir Räume?
Wie bekommen Mitarbeiter etwas zu essen?
Wie laden sie ihre Mobiltelefone?
Wie kommen sie zum Standort?
Wie verlassen wir das Gebäude, wenn die Aufzüge nicht funktionieren?
Und wer kümmert sich darum?

Diese Fragen wirken fast banal. In einer länger andauernden Krise sind sie es nicht.

Der eigentliche Wert einer guten Notfallplanung liegt deshalb häufig darin, genau diese scheinbar banalen Fragen einmal konsequent zu stellen. Denn Krisen entstehen nicht nur dort, wo ein hochkomplexes technisches System versagt. Sie entstehen auch dort, wo mehrere kleine Abhängigkeiten gleichzeitig sichtbar werden.

Ein Unternehmen kann über ein hervorragendes Notstromaggregat verfügen und trotzdem nach einem Tag erhebliche Probleme bekommen, weil niemand an die sanitäre Versorgung gedacht hat. Eine Kommune kann einen detaillierten Krisenstab vorbereitet haben und trotzdem feststellen, dass die Kommunikationswege nicht funktionieren. Ein Krankenhaus kann seine Stromversorgung redundant aufgebaut haben und gleichzeitig vor einem Personalproblem stehen, weil die Mitarbeiter nicht mehr zum Arbeitsplatz kommen.

Der Blackout legt damit etwas offen, das im normalen Alltag kaum sichtbar ist: Wie viele Dinge jeden Tag funktionieren müssen, damit eine Organisation überhaupt funktioniert.

Der Stromausfall ist deshalb nicht nur ein technisches Szenario. Er ist ein Stresstest für die gesamte Organisation – einschließlich all jener Dinge, die normalerweise niemand als Teil des Krisenmanagements betrachtet.

Und vielleicht ist genau das die wichtigste Übung für die eigene Vorbereitung: Nicht nur zu fragen, was passiert, wenn der Strom ausfällt. Sondern einmal einen ganz normalen Tag gedanklich rückwärts zu zerlegen.

Was muss alles funktionieren, damit unser Alltag funktioniert? Bei manchen Antworten wird man überrascht sein, wie wenig spektakulär sie sind. Und wie wichtig.

Du willst wissen, wie lange eure Organisation ohne Strom wirklich durchhält? Im kostenlosen Erstgespräch gehen wir gemeinsam die Abhängigkeiten durch, die im Ernstfall zählen.

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